Pastinaken

PastinakenMit Vergnügen geniesse ich das Multikulti-Angebot an Angestellten in unserem Biomarkt, es gibt immer was zu gucken. Ich find es toll, wenn an der Kasse eine volltätowierte 60jährige sitzt mit langen Haaren, offen und in rosa getragen. Und es ist entzückend wie die Asiatin an der Backtheke „Käsetörtchen“ ausspricht.

Meine Freundin und ich stehen also an der Kasse und meine Freundin fragt: Was sind Pastinaken eigentlich genau für ein Gemüse? Der nette junge Mann, mit grünem Haarpony, antwortet: Tut mir leid, das weiss ich nicht, ich komm aus der Kühlung. Ach, sag ich, wir kommen aus Freiburg.

Rebellion

Socken mit L und R für rechts und linksRebelliert habe ich schon lange nicht mehr so richtig, es lohnt sich selten und strengt irre an. Aber mal ehrlich, es fehlt mir. Ich könnte das sicher hochstricken und an der einen oder anderen militanten Demo mitmischen, aber vermutlich werde ich dreckig, krieg Haue und am Ende ziehe ich noch die Aufmerksamkeit gewaltbereiter Elemente auf mich.

Jetzt habe ich entdeckt, dass ich ähnlich rebellische Gefühle auch im Kleinen entwickle. Verwegenerweise ziehe ich die, mit L für Links und R für Rechts, markierten Sportsocken einfach an den jeweils verkehrten Fuss an und fühle mich sofort wie die kleine Schwester von Che Guevara.

Nachhaltig

Bunte Kuh aus KeramikDie Tochter einer Freundin macht mit mir für eine Schularbeit eine Umfrage zum Thema Milch. Schnell stelle ich fest, dass ich mir bis jetzt über Milchprodukte kaum den Kopf zerbrochen habe. Ob ich auf nachhaltige Herstellung achte? Nein, ich bin bislang nicht auf die Idee gekommen, dass so eine Kuh bei der Herstellung Ihrer Milchprodukte eventuell leidet. Bislang lege ich auch keinen Wert auf  Handmelken. Obwohl, man könnte die Erntehelfer im Winter ja zum melken einsetzen. Hm, aber dann sehen die ihre Familien ja gar nicht mehr.

Das alles fällt mir ein, als ich an einem Hähnchen-Wagen ein halbes Hähnchen kaufe und mir ein Schild „schlachtfrische Hähnchen“ auffällt. Voll im Hinterfragen-Modus frage ich den netten Mann „Wie ist das gemeint, schlachtfrisch?“ Er versteht noch nicht so viel Deutsch und zuckt mit den Achseln. Lebendig ist ja recht frisch, denke ich. Aber was wäre dann „nachhaltig schlachtfrisch“? Garantiert tot und das bleibt auch so, nachhaltiger geht es bisher meines Wissens nicht.

Fahrstuhl

Im frisch renovierten Fahrstuhl einer Tiefgarage steht jetzt „8 Personen oder  800kg“. Bemerkenswert. Früher waren es glaub ich 8 Pers. oder 500kg. Ich habe anhand der Angabe oft genug ausgerechnet wir schwer ich sein darf, endlich habe ich Luft nach oben und darf ganze 100kg wiegen, ein gesellschaftlicher Zwang weniger.

Allerdings hat besagter Fahrstuhl nur gefühlt 2qm, also mit gefährdeter europäischer Nähe-Toleranz passen mit Mühe vier Leute rein. Wieso also acht Personen? Standardschild für Fahrstuhlgrößen zwischen 2qm und 6qm? Zierliche Asiaten? Vielleicht mit ganz schweren Tieren auf der Schulter?

Angst

Packungsbeilage mit rotem YImmer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich mit der Hand durch meinen, etwas tiefer angeordneten, Briefkasten „wische“, gucken ob da noch etwas liegt. Im Anschluss denke ich: Wenn mir jetzt einer `ne Giftschlange da reingelegt hätte, ich wäre voll im Arsch.

Haben das andere Menschen auch? Zieht man nicht an wovor man Angst hat? Ich stehe zum Beispiel auf dem Bahnsteig und denke, wenn jetzt ein Zug einfährt und der Typ vor mir auf die Gleise springt, dann fliegt mir vielleicht sein abgerissenes Bein an den Kopf? Ich mache dann im Kopf dicke, rote Kreuze auf die Gedanken, das eliminiert hoffentlich den selbsterfüllenden Prophezeiungs-Anteil. Eine Heilpraktikerin hat mir mal gesagt, dass man die Nebenwirkungen einer Medikamenten-Packungsbeilage eliminieren kann, indem man dick mit rotem Filzstift ein rotes Y darauf malt. Also, ich mach das.

Radiowecker 2

Anzeige RadioweckerWie Ihr vom 21.01. bereits wisst, tue ich mich schwer mit Radioweckern. Kürzlich bin ich los, Nachschub kaufen. Es bleibt schwer, viele Radiowecker spielen Musik unter der Dusche und können Salto rückwärts, dafür wecken sie auch am Wochenende und sind so gross, dass sie nicht mehr auf den Nachttisch passen. Ausserdem sind sie vom Aussterben bedroht, Videorecorder und Kassettendecks sind ja schon weg. Kürzlich werde ich gefragt „Wieso benützt du nicht das Handy?“ Weil ich mehr Vertrauen habe in Festinstallationen!!!!!

Schliesslich entscheide ich mich für ein Modell mit acht (!) Anzeige-Farben und inkludiertem Dimmer. Zu Hause fällt meine Farbwahl auf ein nettes beige-gelb. Dann die Feststellung: Der Kontrast zwischen der Zahl und dem Hintergrundbeleuchtung ist sehr schwach, gedimmt noch schwächer. Auch bei Farbwechsel. Sobald ich zwei Meter weg bin, kann ich die Uhrzeit nicht mehr erkennen, alles verschwimmt. Gut dass der Nachttisch so nah ist. Mir kann man es echt nicht Recht machen!

Fischaufkleber

Autoaufkleber Fisch frisst FischVor mir an der Ampel hält ein alter, türkiser Polo. Am Steuer sitzt eine Frau mittleren Alters, nennen wir sie mal Gerlinde, sie macht einen patenten Eindruck. So eine wie ich sie in Qi Gong- Kursen antreffe oder gelegentlich auch mal beim Filzen.

Jetzt hat sie einen Raubfisch-frisst-Fisch-Aufkleber hinten auf dem Auto. Der Fisch symbolisiert eine christliche Gesinnung, soweit bekannt. Demnach ist sie nicht nur unauffällig gläubig oder Atheist (kein Fischaufkleber), sondern militant antireligiös, wow, die traut sich was. Da ich mich mit der religiösen Thematik nicht soo gut auskenne, lese ich das nach. Ihr Fisch- frisst-Fisch-Aufkleber ist darwinistischer Natur, Darwin als Gegner des religiösen Fundamentalismus spottet seinen Widersachern. Oh Mann, da habe ich Gerlinde aber massiv unterschätzt.

Bewegungsmelder

Foto einer ToiletteInzwischen gibt es immer mehr Räumlichkeiten, die mit Bewegungsmeldern ausgestattet sind, ich ertappe mich des Öfteren beim hüpfen und wedeln zum Zwecke einer Türöffnung. Kürzlich ist mir das Folgende auf einer Gaststätten-Toilette passiert: Da ich mich nicht auf fremde Toiletten setze, bugsiere ich mich möglichst abstandsnah mittig in die Luft. Dabei gehe ich ordentlich in die Vorbeuge, sonst wird das sehr anstrengend für die Oberschenkel. Mit der Vorbeuge bin ich „unter den Radar“ des Bewegungsmelders geraten und zack, hänge ich im Dunkeln. Jetzt mach das mal, in der Vorbeuge hängen, Röcke raffen, die Schüssel treffen, mit den Armen nach oben wedeln und gleichzeitig nach dem Clopapier hangeln……

Keese

KaesescheibeWarum sprechen Eltern im Supermarkt mit ihren kleinen Kindern so laut, dass ich zwangsanteilnehme? Damit ich bemerke wie toll das Kind ist? Oder wie toll die Mama eine Mama ist? Derweil geht der Papa vor der Kühltheke mit den Worten in die Knie: „Schau mal Emilie-Sophie, das ist Käse! Sag Keeeese!“ Emilie-Sophie bleibt stumm und steht ebenso unbeeindruckt wie konsequent meinem Einkaufswagen im Weg.

So begleitet Emilie-Sophie meinen Einkauf auf Augenhöhe mit dem Einkaufswagen und ringt mir ununterbrochen erhöhte Achtsamkeit ab. Nach Feierabend finde ich es eher anstrengend, aber Ärger mit einem Komplettelternpaar weil ich das Kind umfahre, lieber nicht. Sei´s drum, ich kaufe unter anderem ein paar Bier und der junge Mann an der Kasse wirft mir einen „Alkohol-Alterskontrollblick“ zu, der mich im Handumdrehen versöhnt.