Pilze

Foto ChampignonsNach dem letzten Thermalbadbesuch stelle ich bei mir eine leichte Geruchsveränderung untenrum fest und marschiere schnurstracks in die Apotheke. Hinterm Tresen steht eine junge Apothekerin in hochgeschlossener Blümchen-Rüschenbluse, sie wirkt so sauber und adrett wie direkt dem religiösen mittleren Westen der USA entsprungen.

Ich kaufe die 3-Tages-Pilz-Kur und will dazu noch Unterleibsklima-regulierende Zäpfchen. Die Marke, die ich kenne haben sie nicht da, aber sie bietet mir eine Alternative, sie meint, die müssen auch nicht kühl gelagert werden, die kann man auch mal so in der Handtasche mitnehmen. Klar sag ich, kann ja passieren, dass ich im Restaurant plötzlich mal Lust bekomme mir mit Freundinnen ein Unterleibzäpfchen rein zu pfeifen, warum nicht?

Sie sieht es auch vor sich und entlarvt mein Vorurteil mit einem Kicherflash, sehr sympathisch.

 

Radioaktiv

Text des Artikels, RadioaktivzeichenDie Verbraucherzentrale Bayern empfiehlt Paranüsse nur dosiert zu verzehren, da sie radioaktiv sind. Aus Sicht des Bundesamtes für Strahlenschutz sind zwei Paranüsse am Tag unbedenklich, auch wenn sie rund das 1000-fache an Radium enthalten können, als der Durchschnitt aller mit Radium belasteter Lebensmittel. Quelle: Der Sonntag, 17.10.2021.

Erst habe ich kurz nachgerechnet, nein, wir haben nicht den ersten April, und dann meinen Paranussverbrauch evaluiert, ich esse die wirklich gerne….

Noch leuchte ich nicht im Dunkeln, aber ich bin mal auf alles gefasst.

 

 

Femininsmus reversus

Anzeige FotoText der Anzeige auf dem Foto: Edith, 62, in Rente, schöne ruhige Witwe, gepflegt und jugendlich. Ich suche über Partnervermittlung einen lieben Partner – auch bis 80 Jahre, zuletzt war ich in der ambulanten Pflege tätig, habe ein Auto und möchte wieder für einen Mann da sein und liebevolle Nähe spüren……

Also, wenn ich ein 80jähriger Pflegefall wäre, dann dürfte Edith sofort ins Gartenhaus ziehen, ich wäre auch ab und zu lieb.

 

Urlaub

Foto SonnenuntergangDas Leihkind und ich basteln «Tastbilder». Auf ein «Tastbild» klebt man Sachen, die man dann erfühlen kann, wie z.B. Blätter oder Stoff oder Pappe oder sonst was.  Im Gespräch kommt die Rede auf den Urlaub. Da das Kind mit Familie demnächst einen Urlaub antritt, frage ich wohin es geht, die Antwort kommt schnell:

Nach Flirteventura!

 

 

Monster

Foto MonsterAls Teenie habe ich gelernt, dass ein forsches Auftreten Schädlinge fernhält und mir einiges an ungebetener Belästigung erspart. Heute bin ich ein Monster.

Letzthin bin ich auf dem Heimweg schnell in den Einkaufsmarkt gesprungen. An der Kasse packe ich energisch mein Zeug in Tüten und sehe aus dem Augenwinkel zwei Mädchen, die für die Klassenfahrt sammeln. Ich spende ihnen fünf Euro und höre im Weggehen, dass sie die Nächste fragen, ob sie beim Einpacken helfen dürfen. Umpf, bei mir haben sie sich nicht getraut fragen.

Obwohl, es gibt Ausnahmen, wenn ich beim Schwimmen gehen in der Damendusche mit den kleineren Buben konfrontiert werde, die glotzen mir ungeniert auf die Brüste bis die Mama sie wegzieht, nur Kommentare können sie noch keine.

Fingerlinge

PappfingerlingeIch habe mir Handschuhe gekauft und da drin waren diese Pappfingerlinge, nicht mal recycelt. Stirbt hier der Regenwald, weil ich aus Versehen Pappfingerlinge mit kaufe?

Mann, äh Frau, äh Dingens, äh politisch korrekte Aussprache eines Lautes der Entrüstung, ich möchte diese Ressource für immer einsparen!

Kann das jemand bitte auf die Liste mit den «nie wieder Psst auf erwachsenen Nachthemden» und «vernünftiges Licht am Hotelzimmerspiegeln» mit aufnehmen.

Danke.

 

Kinderlieder

KuhMein Leihkind und ich singen im Auto lauthals mit „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“, ich habe extra einen Kinderliedertrack für sie. Jetzt gibt es da eine Zeile, die lautet „Meine Oma trägt im Strumpfband ´ne Pistole“. Das Kind fragt „Was ist denn eine Pistole?“

Vorsichtig und möglichst Kindergarten-kindgerecht versuche ich das Thema Tod zu erklären. Sie fragt, ob jeder eine Pistole hätte? Nein, wir brauchen keine Pistolen, weil wir uns leben lassen und friedlich sind und so, drucks rum.

Ach so, tönt es vom Rücksitz, aber dem Peter sein Vater hat eine, der hat einen Bauernhof und da hat sich eine Kuh ein Bein gebrochen und die haben sie abgeknallt!

 

Hexen

Foto des KärtchensFreund Müller, der kein Auto mehr hat, möchte seinen Keller aufräumen und macht mir den folgenden Vorschlag: Für fünf Mal mit ihm zum Wertstoffhof fahren, spendiert er mir einen Wochenendtrip. Ich schlage ein und so packen wir bei nächster Gelegenheit mein Auto mit seinem Krempel voll.

Während wir in der Schlange vor den Abgabecontainern warten überreicht mir Müller fast feierlich ein oranges Kärtchen, vorne eine Hexe und hinten eine 1 drauf, meine erste «Wertstoffhexe».

Mich sieht man ja selten sprachlos.

Rasen

Foto RasenseminarAnzeige: «Rasenseminar, Ihr Rasen wieder fit und schön, unsere Experten zeigen Ihnen wie es geht»

Rasenseminare. Gerade hatten wir es davon, dass das Universum uns verlässt, aber vorher um den Rasen kümmern, ganz wichtig. Der Hundepullover muss zum Outfit passen und wenn die Anteile meines Selbst auf der Fettwaage nicht der Erwartungshaltung entsprechen bin ich unglücklich, echt jetzt?

Egal, muss los, zum VHS-Kurs «Schüssler Salze im Gesicht erkennen».

 

Universum

Foto MondHeute habe ich in den sozialen Medien ein Filmchen gesehen zur Ausdehnung des Universums, 20km pro Sekunde in dreifacher Raketengeschwindigkeit um genau zu sein. Wie misst man sowas? Hinfahren und Stoppuhr? Schätzwert?

Im gleichen Film erklären sie, dass sich 94% des Universums von uns wegbewegt, eigentlich sind wir in unseren Galaxien schon alleine, uuuah Mama, nicht weggehen……

Die verbleibenden 6% sind in den Planetenkonstellationen aber so spannend, dass es auf unserem Aussenposten nie langweilig wird. Irgendwie tröstet mich das.

 

Digital

Foto BarcodeFreund Müller und ich sitzen auf der Bank am Fluss und Freund Müller sagt: «Wenn es mir zu viel wird, lass ich mich digitalisieren.»

Aha. Wir spielen es mal durch, wie es so wäre, das virtuelle Leben. Ich sag: «Aber gar nicht mehr sterben, ist auch nicht gut, das Netz vergisst ja nie», «Nö», sagt Müller, «ich drück einfach auf den Neu-formatieren-Button und zack weg bin ich». Hm. «Fragmentieren, ginge auch», meine ich, «aber, wenn Du mal Melone essen willst und den entsprechenden Button drückst, kriegste ja nur den Flavour ohne das Erlebnis»…..

«Naja» erwidert Müller, «die ersten Jahre drücken wir eh ununterbrochen den Orgasmus-Button»