Rauchmelder

Foto FeuerRauchmelderkontrolle – das Wort befriedigt mein Bedürfnis nach Sicherheit, zwingt mich aber auch mitten am Arbeitstag nach Hause. Bei derartigen Terminen meint die „andere Seite“ ich hänge nur zuhause rum und warte darauf, dass der Rauchmelderkontrolleur klingelt.

Gehetzt komme ich an, da stehen sie schon 6 Mann hoch. Ich sage salopp „Seid ihr die Rauchmelderkontrolleure“? Gelächter und „ja klar, wir warten nur noch auf Sie“. Jetzt gehöre ich mit Ü50 nicht mehr zur „Männliche Aufmerksamkeit A-Zielgruppe“, also haben sie erstmal in Ruhe zu Ende geraucht.

Dazu hat sich ein „ich kontrolliere den Gesamtzustand der Wohnung“-Vermietermann mit eingeschmuggelt, uuuuaaah. Wieso fühle ich mich ohne weiteres Zutun als Schlampe? Wie oft muss man welche Räume streichen? Derweil will einer der Rauchmeldermänner, dass ich einen Besenstiel hole und zeigt mir, wie ich den „aktiven“ Rauchmelder drücken muss, bis er abschaltet? Ich stehe im engen Flur, eingeklemmt zwischen 2 Männern in Montur, drücke mit dem Besenstiel den Rauchmelder und ……. Sirenengeheul bis Timbuktu.

Glaube

Schäumendes WasserGlaube braucht ein Zuhause, habe ich gelesen. Wenn das so ist, dann ist mein Glaube obdachlos. Nicht weil ich nicht glauben will, ich würde ja wollen, aber es geht nicht rein in mich. Die Gemeinschaftsgefühle sind sicher toll, aber die moralischen Grundwerte finde ich eher normal. Alle großen Weltreligionen berufen sich auf Liebe und Güte, da kann man auch so mitmachen.

Was würde wohl Jesus machen, wenn er heute lebt? Wie outet er sich? Das glaubt ihm doch keiner und die Konkurrenz ist beängstigend umfangreich. „Hallo, ich bin Jesus 2.0, ich bin auf «Insta» und bei «Twitter»?“ Da muss er schon etwas wirklich Spektakuläres machen, das Meer teilen zum Beispiel. Der Gedanke kam mir beim letzten Tsunami, vielleicht ist er ja schon da.

Verlieben

Foto Herz gebildet mit der HandMein geschätzter Kollege und Zwangslebensbegleiter, irgendwo muss ich mit dem Mitteilungsbedürfnis ja hin, unterhalten uns über „was löscht uns ab beim verlieben“.

Manchmal sieht man bildschöne, supertolle Menschen und dann lächeln sie und haben schlechte Zähne. Also schlechte, respektive ungepflegte Zähne, überhaupt ungepflegt sein, das löscht uns beide ab. Dialekte sind eventuell schwierig, allzu aalglatt ist nicht vertrauenswürdig und ich mag keinen Volksmusikhumor. Lange waren es Haare auf dem Rücken, aber dann hatte ich mal einen „Silberrücken“ und plötzlich war das egal. In einem Fall war ich schmerzhaft lange unglücklich verliebt, bis ich den Typ tanzen sah und klatsch-bum-peng war ich frei von jedem Gefühl. Erstaunlich.

Töpfchen

Foto KinderpottMein “Leihkind”, ich mache sowas wie ein vorgezogenes „rent an Oma“, war ungefähr drei Jahre alt, als wir auf ihr Töpfchen zu sprechen kamen. Sie hat einen Pisspott, der “Oh, La Paloma Blanca” pfeift, wenn sie pieselt. Ich habe das mal gegoogelt, es gibt sogar zusammenklappbare Kindernotfallurinale in lustigen Wurmformen, da biste platt.

Aber zurück zu besagtem Pisspott, sie widerspricht und sagt “nein, das ist nicht La Paloma”, ich sage:  “ich bin sicher, das ist doch La Paloma”, “Neihein, is nicht Paloma”. Nach einigem Hin und Her haben wir uns für den Schnelltest entschieden und sind ins Bad. Siegessicher sitzt sie auf ihrem Pott und drückt eine Weile, es kommen nur ein paar Tropfen, aber die reichen für ein eindeutiges “Lambada”. Grummel.

Nachthemden

Nachthemdenständer
Foto von mir: Stand 7.2019

Jetzt muss ich mich aber mal aufregen. Über Nachthemden! Wir leben im Überfluss und haben alles. Früher gab es nur drei Sorten Haarklammern, rote, gelbe und blaue, heute hat es zwischen taupe und mauve schon zwanzig Schattierungen, aber bei Nachthemden geht es nicht vorwärts. Entweder es gibt diese Oma-Teile, angerüscht in überlang, rosa oder mint mit vielen süssen kleinen Blümchen drauf, oder es hat garantiert einen entzückenden Snoopy oder ein Bärchen oder den Schriftzug “Pssst” als Applikation auf der Vorderseite.

Hallo, ich bin weder zwölf noch neunzig Jahre alt! Ich möchte ein Nachthemd bitte plano, uni, in vernünftigen Farben und Materialien, nix mit flieder oder “nettem” Schriftzug und nix “petit fleur”. Und ich bin nicht allein. Jede Frau, die ich darauf anspreche stimmt mir mit eifrigem Nicken zu, ja, ist ihr auch schon aufgefallen. Ich hoffe das liest eines Tages ein Nachthemdenhersteller und hat ein Einsehen.

Tiefgarage

TiefgarageEs ist Freitagmittag und ich fahre mit Schwung die Anhöhe zur Tiefgaragenausfahrt hoch in der Annahme die Türe öffnet, wie üblich, automatisch.

Die Türe bleibt zu. Jetzt mach was. Ich halte am Hang, steige aus, suche den Sensor und winke prophylaktisch ein wenig mit den Armen. Die Türe bleibt zu. Hm. Ich wieder ins Auto und rolle ganz langsam zwei Stockwerke rückwärts auf meinen Parkplatz zurück. Diesmal zu Fuss wieder an die Türe, wedel und hüpf auf Sensorsuche. Die Tür bleibt zu. Den, auf Plakaten angepriesenen, Wachdienst find ich nicht. Wieso bin ich bisher problemlos aus diesem Parkhaus gekommen?

Zunehmend ratlos begegne ich einer Mitparkerin, der ich mein Leid klage. Sie lacht und erklärt: “Besagter Sensor ist zu Beginn der Anhöhe im Boden eingelassen und ist man einen Tick zu schnell, dann greift er nicht.” Hätte ich die Frau nicht getroffen, so irrte ich noch heute durch dieses Parkhaus. Entstehen so Geister?

Farbenwut

Internet abfotografiert Farbe erröten rosaMir fehlt im Fundus ein rosa Schal, also bestell ich mal fix im Internet und pralle zurück, mir wird wie folgt an Farben geboten:

Bubblegum rosa, Light pink, Dusty pink, Babyrosa, Ash roses, Cameo roses, Barbierosa, Ballett Rosa, Peach Puff, Unirosa khaki, Blush
Coral, Rosette (Ein Schalk, wer Böses…), Altrosa
Und der Hammer: “Erröten rosa”

Das erschlägt mich und ich krieche lieber wieder unter meine Kuscheldecke und pups ein bisschen.

Erkenntnis

Foto StreichkaeseGestern habe ich mich zweimal erschreckt und hatte eine Erkenntnis. Erschreckt hat mich, dass ich plötzlich im Fernseher die Gesichter wieder gut erkenne, OHNE Brille! Für junge Menschen schnell erklärt: Das bedeutet die Altersweitsicht hat jetzt die Kurzsichtigkeit zumindest auf der Strecke vom Sofa zum Fernseher eingeholt. Außerdem habe ich erst nach dem Essen bemerkt, dass der Streichkäse seit 7, in Worten SIEBEN, Wochen über Verfallsdatum war! Und die Erkenntnis: Ich muss die Welt gar nicht retten! Bin ich froh!

Delphin

Foto Delphin kuesst FrauIch bin schon einmal mit Delphinen geschwommen. Naja schwimmen ist zu viel gesagt. Wir, also die Touristen, durften ins Wasser, alle einmal den Delphin anfassen und dann in Position bringen für die spektakulären „guck mal ich war dabei“-Fotos. Für eines der Fotos drücken die Delphine Dich von unten an den Fußsohlen hoch. Das Wasser war trüb und die Gefühle gemischt, schließlich schwimmen mir ziemlich große Tiere um die Beine. Die Fotos verkaufen sie Dir für 150 Dollar. Mein Foto ist super. Übrigens, Delphinhaut fühlt sich an wie nasse Plastiktüte.

Heinz

Foto BekanntschaftsanzeigeIn den 90ziger-Jahren habe ich auf eine Bekanntschaft-Anzeige geantwortet und so Heinz kennengelernt. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch, es reichte für ab und an mal ins Kino, mehr aber auch nicht. Dann bin ich umgezogen, habe mehrfach die Telefonnummer gewechselt und gelegentlich auch mal wieder auf eine nette “Er sucht”-Annonce geschrieben. So sind 10-15 Jahre ins Land gegangen.

Eines Tages ruft mich Heinz an, ich bin platt: «Wie hast DU mich denn gefunden, das gibt’s ja nicht» Heinz lacht und sagt: «Gar nicht, Du hast mir wieder auf meine Anzeige geschrieben». Wir haben uns darauf geeinigt, dass er zukünftig sein Inserat erweitert um «ich bin’s», dann weiss ich Bescheid.

Stoffwechseltropfen

Foto eines FläschchensAb und zu begegnen mir Sachen, da denk ich, das ist jetzt mal ein super Zeug. So geht es mir mit den homöopathischen Tropfen, die den Stoffwechsel anregen und die ich seit Monaten in meine Wasserkaraffe kippe. Ich argwöhne, dass ich die nie mehr absetzen kann, weil mein Stoffwechsel dann gänzlich zum erliegen kommt.

Manchmal ertappe ich mich bei der Überlegung, was mach ich, wenn es Krieg gibt und alle Apotheken sind geschlossen? Naja, vermutlich brauche ich dann keine stoffwechselanregenden Substanzen mehr, so ein Krieg ist ja ein ziemlicher Stress.

Alarm

nur grau
Alltagsgrau

Nachdem ich das ganze Wochenende in der, im Nachhinein unbegründeten, Angst verbracht habe, dass das angekündigte Einschreiben schon wieder ein sauteurer Strafzettel ist, und ich dann am Samstag auch noch im Galopp vom Pferd gefallen bin, sehnte ich mich zutiefst nach etwas mehr Alltagsgrau.

Zur Entspannung bin ich ins Schwimmbad gegangen. Nach nur vier Bahnen ging die Sirene los, Feueralarm, Schulkinder und Babyschwimmen, alles raus und bitte sammeln in den Fluren. Da es kalt war, haben sie erst Handtücher verteilt und uns dann nebenan im Saunabereich abgestellt.

Dort erfolgte dreimal hintereinander die Durchsage: «Achtung, Achtung, besonders auch an die Kinder, Achtung, es kann sein, dass Sie auf nackte Menschen treffen. Das ist okay, die dürfen hier nackt sein, weil das hier ist ein Saunabereich.»