Scham

Foto Planet ErdeIch bin ja mit indischen Kindern aufgewachsen, die hungern, weil ich den Teller nicht leer esse. Und zum Eier abschrecken verbrauche ich vermutlich mehr Wasser, als ein Somalier am Tag. Ich schäme mich.

Erst recht seit ich weiss, dass mein Lebensstil 2,7 Planeten verbraucht. Und ein bisschen für den Rest Chia-Samen und die Avocado in meinem Kühlschrank, die aus Peru eingeflogen ist. Und dafür, dass ich die indische Textilindustrie mit einem gelegentlichen Billig-T-Shirt-Kauf unterstütze. Aber ich trainiere ab, manchmal schaffe ich es im Monatsmittel runter auf 1.9 Planeten oder so.

Warum lanciert eigentlich niemand Volkshochschulkurse wie «die flüchtige Verdrängung» und für Fortgeschrittene «Verdrängung, nachhaltig und unwiederbringlich», ohne so einen Kurs finde ich mich echt doof, seufz.

Nachhaltig

Bunte Kuh aus KeramikDie Tochter einer Freundin macht mit mir für eine Schularbeit eine Umfrage zum Thema Milch. Schnell stelle ich fest, dass ich mir bis jetzt über Milchprodukte kaum den Kopf zerbrochen habe. Ob ich auf nachhaltige Herstellung achte? Nein, ich bin bislang nicht auf die Idee gekommen, dass so eine Kuh bei der Herstellung Ihrer Milchprodukte eventuell leidet. Bislang lege ich auch keinen Wert auf  Handmelken. Obwohl, man könnte die Erntehelfer im Winter ja zum melken einsetzen. Hm, aber dann sehen die ihre Familien ja gar nicht mehr.

Das alles fällt mir ein, als ich an einem Hähnchen-Wagen ein halbes Hähnchen kaufe und mir ein Schild „schlachtfrische Hähnchen“ auffällt. Voll im Hinterfragen-Modus frage ich den netten Mann „Wie ist das gemeint, schlachtfrisch?“ Er versteht noch nicht so viel Deutsch und zuckt mit den Achseln. Lebendig ist ja recht frisch, denke ich. Aber was wäre dann „nachhaltig schlachtfrisch“? Garantiert tot und das bleibt auch so, nachhaltiger geht es bisher meines Wissens nicht.