Angst

Packungsbeilage mit rotem YImmer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich mit der Hand durch meinen, etwas tiefer angeordneten, Briefkasten „wische“, gucken ob da noch etwas liegt. Im Anschluss denke ich: Wenn mir jetzt einer `ne Giftschlange da reingelegt hätte, ich wäre voll im Arsch.

Haben das andere Menschen auch? Zieht man nicht an wovor man Angst hat? Ich stehe zum Beispiel auf dem Bahnsteig und denke, wenn jetzt ein Zug einfährt und der Typ vor mir auf die Gleise springt, dann fliegt mir vielleicht sein abgerissenes Bein an den Kopf? Ich mache dann im Kopf dicke, rote Kreuze auf die Gedanken, das eliminiert hoffentlich den selbsterfüllenden Prophezeiungs-Anteil. Eine Heilpraktikerin hat mir mal gesagt, dass man die Nebenwirkungen einer Medikamenten-Packungsbeilage eliminieren kann, indem man dick mit rotem Filzstift ein rotes Y darauf malt. Also, ich mach das.

Darknet

schwarzes Bild
Das Darknet, eine seltene Aufnahme

Ich telefoniere mit meinem besten Freund und jammere den Weltuntergang herbei. Der Sommer war heiss, Klima und Flüsse kippen, Menschen, die Menschen vor dem Tod retten werden verklagt, die Geretteten wieder ins Meer geworfen und Fake News werden geglaubt. Ich überlege zu preppern, also mich auch auf den Supergau vorzubereiten, indem ich vermehrt Konserven kaufe und den Keller ausbau. Mein Freund, nennen wir ihn Müller, sagt: „Ich nehm dann ne Pille und bin weg“, er redet von geplantem Selbstmord. Jetzt kommen wir aber nur sehr schwer an Zyankali ran, also muss einer von uns wohl oder übel den Browser „TOR“ runterladen, dass wir ins Darknet kommen, da kriegt man ja alles, auch Pillen. Gut, wir spielen es durch, abgewickelt und aufgeräumt sitzen wir also in unserem Prepper-Keller, schlucken die Pille und dann ist das Zeug ein Fake aus Panama, schmeckt nach Minze und wir leben weiter. Da kann man nur hoffen, dass noch Hochhäuser stehen oder Züge fahren.